Bad Nenndorf: „Trauermarsch“ ist Geschichte.

Rückblick von Jürgen Uebel (1. Vorsitzender des Vereins Bad Nenndorf ist bunt) auf 11 Jahre Widerstand gegen Naziaufmärsche

Der sogenannte „Trauermarsch“ in Bad Nenndorf, organisiert von Neonazis um Sven Skoda, Thomas Wulff, Dieter Riefling, Sacha Krolzig, Christian Worch u.a., ist endgültig Geschichte. Zum 2. Mal hintereinander hat die bis 2030 angemeldete Veranstaltung nicht stattgefunden. Während im letzten Jahr noch wenige Tage vorher beim zuständigen Ordnungsamt eine halbherzige Absage eintrudelte, haben die Herren und Damen Nazis in 2017 gar nichts verlauten lassen – weder auf ihren eigenen Kanälen noch sonstwo. Man schweigt das Thema lieber tot, ist ja auch eine Geschichte von Peinlichkeiten für die „letzten anständigen Deutschen“.
Uns ist das recht, wir können auf diese Art „Gäste“ sehr gut verzichten. Unsere jahrelange Forderung „Schluß mit den Naziaufmärschen in Bad Nenndorf und anderswo!“ ist somit teilweise erfüllt -aber eben nur teilweise, nämlich in Bad Nenndorf. Besonders schön daran ist, daß es keines Verbotes bedurfte, was natürlich wieder zur Legendenbildung und Märtyrisierung beigetragen hätte. Nein, sie haben es selber eingesehen, daß hier in Bad Nenndorf nichts für sie zu holen ist. Das ist dem 11 Jahre andauernden Widerstand vieler Antifaschisten und Bürger aus Bad Nenndorf, Schaumburg, Niedersachsen und der ganzen Republik zu verdanken, die vielfältig, kreativ und friedlich den anreisenden Nazis die Freude an ihrem Tun genommen haben. Dabei haben wir uns nicht spalten lassen in gute und schlechte Antifaschisten, haben uns nicht voneinander distanziert, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen hatten, sondern haben das gemeinsame Ziel im Auge behalten und erfolgreich verfolgt.
Dass ausgerechnet jetzt von verschiedenen Seiten versucht wird, diesen Erfolg ausschließlich dem sogenannten „bürgerlichen Widerstand/Lager“ zuzurechnen, ist dreist.
Die erste Gegendemo in 2006 wurde von DGB und Antifa (wer ist das eigentlich? Vielleicht Eure Kinder? Oder Ihr selbst?) durchgeführt. Bis 2009 waren überhaupt nur wenige Nenndorfer bei den Protesten aktiv, 2007 und 2008 waren Antifa-Aktivisten die treibenden Kräfte für Gegendemos, und die Blockade am Wincklerbad von 2013, an der sich viele Nenndorfer beteiligten, hätte ohne die Antifa vermutlich nicht so stattgefunden. Die verschiedenen Pyramiden-Blockade-Aktionen, die immer wieder für erhebliche Behinderungen des Nazi-Aufmarsches sorgten und viel Sympathie ernteten, waren gewiss keine Aktionen des „bürgerlichen Lagers“ (was immer das auch sein soll – es handelt sich hier um einen politischen Kampfbegriff aus den 80iger Jahren). Als 2014 Antifaschisten dauerhaft den Bahnsteig in Bad Nenndorf blockierten und etliche Nazis aus Haste zu Fuß nach BN laufen mußten, wurde das bei der vom DGB angemeldeten Kundgebung von „Bad Nenndorf ist bunt“ ausgiebig beklatscht -auch von anwesenden „bürgerlichen“ Politikern. Und in 2015 wurde trotz bereits deutlich rückläufiger Nazi-Teilnehmerzahlen das Bündnis BNib von der Nenndorfer CDU bei deren Mitgliederversammlung beschuldigt, den Nazis „eine zu große Bühne zu bieten“ und die Beteiligung an einem Fest der Demokratie mit 15:1 Stimmen abgelehnt.
http://www.sn-online.de/Schaumburg/Nenndorf/Bad-Nenndorf/CDU-boykottiert-Fest-gegen-Neonazi-Aufmarsch
Der gemeinsam errungene Erfolg in Bad Nenndorf sollte auch als solcher gewürdigt werden: als ein Erfolg demokratisch gesinnter Menschen, die sich über Meinungsverschiedenheiten hinweg auf verschiedenen Wegen in eine Richtung bewegt haben und so gemeinsam ihr Ziel erreicht haben-zumindest partiell.
So etwas geht eben auch. Ehrlicher Respekt für andere Auffassungen gehört dazu.